Es ist Ostermontag, viele haben frei und können hoffentlich diese Freizeit ein bisschen genießen. Da hab ich mich gefragt, braucht’s da wirklich eine #montagsinspiration? Wird es jemand lesen oder anhören, wo doch die meisten vermutlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind?! Ich hab mit diesen Gedanken so vor mich hingetrödelt, vielleicht weil ich selber nicht sonderlich motiviert war, mich auf den Hosenboden zu setzen, mich zu öffnen und dem RAUM zu geben, was sich hier eben gerade zeigen möchte. Dann aber - wie Du siehst, oder hörst - hab ich es halt doch getan, und wie jedes Jahr an Ostern ist für mich die eigentliche Botschaft dieses Festes das Thema, und auch wenn ich ein bisschen über Jesus spreche, darf ich Dir versichern, das wird keine christliche Botschaft, sondern es geht um ein wichtiges Element spiritueller Erfahrung. Und das könnte uns alle betreffen.

Aber fangen wir ruhig kurz mit der Geschichte um Jesus an. Und nehmen wir seine Geschichte einfach mal als Gleichnis und nicht unbedingt als historische Fakten, denn für die Botschaft dahinter ist es unerheblich, ob er wirklich jemals gelebt hat oder nicht. Ich glaube sogar, je mehr man sich mit der Symbolhaftigkeit der Ostergeschichte beschäftigt, desto mehr Zweifel dürfen angebracht sein. Du siehst also: kein religiöser Dogmatismus in Sicht. Okay, geht los: beschäftigen wir uns mal damit, was vor Karfreitag geschehen ist, als Jesus mit seinen Jüngern nach dem letzten Abendmahl im Garten Gethsemane gewacht hat. Also er hat gewacht, die Jünger haben geschlafen, ein schönes Bild für den “wachen” Menschen in seiner Einsamkeit in einer Menge, die es vorzieht zu schlafen. Im Bewusstsein, dass für ihn persönlich massive Veränderungen anstehen, betete Jesus. Und schon in diesem Gebet zeigt sich für mich eine der zentralsten Botschaften eines spirituellen Erwachens. Er bittet: „dass der Kelch doch an mir vorüberziehen möge”. Sprich: vielleicht ist das mit dem spirituellen Wachsein doch keine so gute Idee. “Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!”, wendet er sich an das, was er Gott nennt. Und hier vollzieht sich für einen spirituellen Menschen tatsächlich die Wandlung. Jesus gibt sein Ego auf und unterwirft sich dem Willen Gottes. Er wirft sämtliche Zweifel über Bord und gibt sich bedingungslos hin. Das Resultat kennen wir. Er wird durch Folter und Kreuzweg geprüft, ob er das mit der Hingabe und dem Vertrauen auch ernst meint, um dann ans Kreuz geschlagen zu werden.

Das Kreuz ist eines der ältesten Symbole für die Vereinigung von Himmel und Erde, für die Vereinigung des männlichen und des weiblichen Prinzips. Jesus verabschiedet sich also am Knotenpunkt dieser Vereinigung von seinem bisherigen, menschlichen Leben und spricht Gott nochmals sein Vertrauen aus, als er “ihm” sagt: “In Deine Hände befehle ich meinen Geist.” Und im Moment seines “Todes” ereilt ihn die Erkenntnis, dass sein Opfer angenommen worden ist: “Es ist vollbracht.” Es folgen drei Tage Dunkelheit und Auferstehung ins Licht. Anders ausgedrückt: Das Ego tritt zurück an den ihm zugewiesenen Platz und der Mensch, in Hingabe und dem Bewusstsein, vom Geist Gottes erfüllt zu sein, ersteht neu.

Ist es nicht das, worum es geht, wenn wir nach Erkenntnis streben, wenn wir davon sprechen, erleuchtet zu sein? Ist es nicht dieses Verständnis, die Hingabe, das Aufgeben seiner persönlichen Konzepte, Glaubenssätze und Vorstellungen, die es uns möglich machen, einfach zu sein? Wenn wir verstanden haben, dass es nur in der Vereinigung, dem Zusammenkommen von Himmel und Erde, männlichen und weiblichen Energien, gleichberechtigt miteinander eine friedvolle und harmonische Zukunft geben kann. Ist nicht das die eigentliche Botschaft von Ostern? Geht es nicht darum, zu erkennen, dass wir alle den Teil in uns ablegen dürfen, der voller Zweifel, Konzepte und Konflikte ist? Geht es nicht darum, dass auch in uns das “Reich Gottes” sich in Form des RAUMS manifestiert, der uns alle durchdringt und vereint? Und der Geist, der diesen RAUM belebt, das SELBST, ist das nicht der Geist, der sich durch uns ausdrücken möchte, dem unser Ego aber so oft im Weg steht? Und solange wir unserem Ego, unseren Konzepten, unseren ach so wichtigen Zielen etc. mehr Platz einräumen als dem SELBST, sind wir da nicht immer noch auf unserem eigenen, persönlichen Leidensweg?

Wenn wir aufhören, zu wollen, wenn wir “unseren” Willen ad Acta legen und uns dem Willen anvertrauen, der sich im SELBST manifestiert, gelangen wir nicht dadurch zur Freiheit, weil wir uns nicht von Dingen und Sichtweisen im Außen abhängig machen? Lösen wir uns dadurch nicht von den destruktiven Prinzipien der Konkurrenz und der Konflikte? Erkennen wir dadurch nicht, dass alles geschieht, was geschehen soll und können wir nicht dann auch in Frieden annehmen, was ist? Bewegen wir uns dadurch nicht auch aus den Energien der Spaltung in das Bewusstsein der Einheit und des Friedens?

Jeden Tag wird uns aufs Neue die Möglichkeit gegeben, zu wählen. Jeden Tag wird unser Vertrauen aufs Neue geprüft. Jeden Tag wird uns dadurch die Möglichkeit gegeben, den Sinn unseres Lebens zu erfassen und in unserem Sein auszudrücken, bzw. ausdrücken zu lassen. Wir sind hier, um die Fahrt zu genießen, nicht, um dem „Steuermann“ ständig ins Ruder zu greifen. Auch für mich begann die Reise auf der Du mich aktuell hier begleitest mal mit dem einen Satz: „Dein Wille geschehe.“ Seitdem ist viel Zeit vergangen, in der mein Vertrauen immer wieder geprüft wurde und immer noch wird. Und ich darf Dir versichern, auch auf meinem Weg scheint nicht immer die Sonne, aber um zu wachsen brauchen die berühmten Lilien auf dem Felde ja bekanntlich Sonne UND Regen.

Am Ende entscheidest Du jetzt für Dich, ob es diese #montagsinspiration gebraucht hat, oder nicht.

(c) Bild & Text: Stefan Trumpf, darf aber gern geteilt werden.

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