Vergeben und vergessen! Das ist die Lösung für viele, die Konflikte und Ungerechtigkeiten, die ihnen widerfahren sind, aus der Welt schaffen wollen. Aber ist das wirklich die Lösung? Ist Vergebung immer der Weg zu innerem Frieden und vor allen Dingen Harmonie? Dazu die heutige #Montagsinspiration.

Dem einen oder der anderen wird es aufgefallen sein, meine Homepage ist weg, und mit ihr meine produzierten Videokurse für zu Hause, mein Spreadshirt-Shop und eben auch mein Auftritt im Netz, abseits von Facebook & Co. Warum? Weil ein Mensch, dem ich vertraut habe, der technisch besser aufgestellt ist, als ich, der sich auskannte und der mir das Blaue vom Himmel versprochen hatte, das so entschieden hat - ohne Vorwarnung, ohne Gespräch, einfach so. Ich stehe vor einem Scherbenhaufen, wirke plötzlich unprofessionell und kann - wieder einmal - von vorn anfangen. (An dieser Stelle sei eingeworfen, dass ich um Geduld bitte. Es wird natürlich wieder eine Homepage geben, aber ich muss erst jemanden finden, der das gescheit kann und - das muss ich gestehen - den ich mir leisten kann)

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, das ist extrem schädigendes Verhalten und jeder Kontaktversuch, den ich gestartet habe, wird abgeblockt. Und alles, weil ich mich nicht verkaufen will. Geld war noch nie mein Antrieb, aber für manche ist es das Einzige, was zählt. Und ja, ich habe zutiefst menschlich reagiert und mir erst einmal gedacht, dass ihn doch bitte der Blitz beim - na Du weißt schon wobei - treffen möge. Aber das hat nur ein paar Minuten gedauert und dann hatte ich auch schon wieder umgeschalten. Und natürlich hab ich auch mit Susanne darüber gesprochen, und wollte wissen, was sie als Seelenbaumlerin denn dazu meint. Sie sah das relativ nüchtern und dachte gleich darüber nach, was wohl die Anwältin dazu sagen würde. Aber ganz ehrlich, darauf hab ich keinen Bock!

Was aber für mich auch nicht stimmig ist, ist die ganze „Vergeben & vergessen“-Nummer. Ich glaube nämlich nicht, dass ein Vergeben einfach so dann zum inneren Frieden führt und zu Harmonie schon gar nicht. Naja und was das Vergessen betrifft: Ich hab Gott sei Dank kein Alzheimer und möchte das Geschehene auch nicht ins Vergessen verdrängen, weil nichts Anderes als Verdrängung wäre es.

Warum aber auch die Vergebung nicht stimmig für mich ist, will ich Dir gern erklären. Ich weiß, das ist in der Spiritualität sehr beliebt. Jedem und jeder wird vergeben, auch uns selbst. Gibt uns doch auch ein gutes Gefühl, so zu vergeben, macht uns gleich zu einem besseren Menschen und wir fühlen uns dann auch gleich so ein bisschen heilig, oder? Aber ist es ehrlich? Ist es authentisch? Bringt es die Dinge ins Lot? Gerade am letzten Punkt zweifle ich stark. Ist für mich ein reines Rechenbeispiel:

Stell Dir vor, jemand tut Dir Unrecht, er nimmt Dir vielleicht etwas weg, das Dir gehört. Die Waage, die zwischen Euch bis eben noch im Gleichgewicht war, verschiebt sich, durch die Schuld des anderen an Dir, zu seinen Ungunsten nach unten. Und jetzt stell Dir vor, weil Du so ein guter Mensch bist, Du vergibst ihm - einfach so, ohne, dass er darum bittet. Das bedeutet, Du gibst ihm zusätzlich zu dem, was er Dir weggenommen hat, noch das Geschenk Deiner Vergebung. Immer vorausgesetzt natürlich, dass Dein Gegenüber nicht um Vergebung bittet. Dann sieht das natürlich ganz anders aus. Dann ist ein Bemühen der anderen Seite da und dann ist Vergebung tatsächlich ein Weg. Aber bleiben wir mal dabei, dass Dir Unrecht getan wurde und Dein gegenüber ist überhaupt nicht an Vergebung oder auch nur einer Aussprache interessiert. Wenn wir jetzt aus unserer Position heraus Vergebung üben, kann das energetisch die Waage nicht ins Gleichgewicht bringen, denn es wird die Waagschale noch weiter nach unten drücken. Wenn wir es buchhalterisch ausdrücken wollen: Jemand greift bei Dir in die Kasse, klaut €100,- und Du gibst ihm noch €100,- dazu. Schuldet er Dir dann nichts mehr? Du weißt, worauf ich hinaus will.

Wie lösen wir also das Problem mit dem inneren Frieden, wenn Vergebung die Dinge zumindest energetisch nicht ins Gleichgewicht bringt? Bleiben wir nachtragend und wünschen unserem Gegenüber die Krätze an den Hals? Sicher nicht!

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht nachtragend, aber sehr klar bin. Mein Weg führt über die Akzeptanz. Ich akzeptiere bedingungslos was geschehen ist. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Die Homepage ist weg, der Schaden ist angerichtet. Vergeltung und Juristerei scheiden aus. Nachtragend sein scheidet aus. Ich habe nicht die Zeit und auch nicht die Energie, mich mit dieser Sache länger als nötig zu befassen. Also akzeptiere ich, was geschehen ist und nutze meine Energie dazu, mir Gedanken über den digitalen Neuanfang zu machen. Wenn mir kein weiterer Schaden daraus entsteht, war es das für mich. Ich kann damit leben, dass die Waage sich zu meinen Gunsten verschoben hat. Ich bin außerdem der Meinung, dass ich die Sache vielleicht auch gar nicht so sehr persönlich nehmen sollte. In einer universelleren Betrachtungsweise bin ich ja nur ein Platzhalter für das Göttliche. Was mir widerfahren ist, könnte auch anderen widerfahren - und das wird auch so sein. Nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung (jaja, das liebe Karma), wird das Universum dafür sorgen, dass bald wieder Harmonie herrscht und die Waage wieder ausgeglichen ist. Ich muss nicht mit meinem verletzten Ego dafür sorgen. Ich muss auch nicht mein verletztes Ego aufpolieren, und Vergebung üben, wenn das für mich nicht stimmig ist. Ich finde meinen Frieden darin, zu akzeptieren, was geschehen ist und es damit loszulassen, es eben nicht der Person nachzutragen, die den Bock geschossen hat. Ich lasse los, streiche den Menschen aus meinem Leben und meiner Kontaktliste und ziehe weiter. Lektion gelernt. Ich sitze auch nicht händereibend zu Hause und warte, dass das Karma zuschlägt. Wozu? Mit Beendigung dieser Montagsinspiration ist das alles nicht mehr wichtig. Mein Blick richtet sich auf das Hier und Jetzt, auf das Aufräumen des Schadens. Vom Jammern wurde noch nie etwas erschaffen. Es ist wie es ist, ganz einfach. Und vielleicht hilft Dir ja diese Betrachtungsweise in einem Deiner Konflikte weiter?

Mag sein, dass Du jetzt versuchen möchtest, mich von der Macht der Vergebung zu überzeugen. Lass es! Handhabe die Dinge, wie Du sie für richtig hältst. Für mich ist Akzeptanz und damit das Loslassen der Schlüssel zum inneren Frieden. Um die Harmonie darf sich das Universum kümmern.

(c) Bild & Text: Stefan Trumpf, darf aber gern geteilt werden.

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Die #montagsinspiration erscheint als wöchentlicher Blogbeitrag auf Facebook, bei buymeacoffee.com und als Podcast bei Spotify, Apple und auf Telegram. Wenn Dir der Beitrag gefallen hat, darf er sehr gern geteilt werden. Um zum Podcast zu diesem und anderen Beiträgen der #montagsinspiration zu gelangen, einfach den Link anklicken.

Und wenn Dir der Beitrag vielleicht sogar ein Stück auf Deinem persönlichen Weg geholfen hat, dann würde ich mich freuen, wenn Du mir auf meinem ein Stückchen helfen würdest, und mich mit einem „Kaffee“ unterstützen würdest. Dazu einfach den blauen “Support” Button klicken etc. Vielen Dank!