Ein Raunen streift durch die Blätterkronen, lässt sie synchron erzittern. Das Wogen, ausgelöst durch den ewig umherstreifenden Wind, lässt den Wald durch das geübte Auge als einen einzigen, lebenden Organismus erscheinen. Die Menschen, die hier entlangspazieren, sind jedoch meist so in ihre grauen Gedanken versunken, dass sie die Präsenz nicht mehr wahrnehmen können. Es sind am ehesten noch ihre Hunde, die die Ohren spitzen, stehen bleiben und scheinbar ins Leere starren. Sie spüren den Sog, der wie ein friedliches Wiegenlied nach ihnen ruft. Tief, tief zwischen Bäume und Büsche führt die verborgene Melodie. Über sanfte Hügel und neben rhythmisch plätschernden Bächlein vorbei. Über Wurzeln, Moos, Blumen, Gräser und heruntergefallene Blätter. Im Herz des Waldes öffnet sich eine Lichtung den einfallenden Sonnenstrahlen. Der Ort wirkt unscheinbar, aber wer genau hinspürt, vernimmt ein Flirren in der Luft, ein sanftes Summen, wie von Tausend Raupen, die verpuppt von ihrem ersten Flug als Schmetterling träumen.

Dieser Ort im Mittelpunkt der Welt ist getränkt von präsenter Lebendigkeit, von einer Energie, die sich wie Wurzeln über und unter der Erde ausstreckt, bis an die Waldränder reicht und darüber hinaus. Noch keine Menschenseele hat sich hierhin verirrt und doch können sie den Ruf des Waldes nicht aus ihren Erinnerungen verbannen. Sie träumen von ihrem Zuhause, vom Zustand des Einsseins. Sie mussten ihre Wurzeln lösen, um etwas anderes zu werden, doch jetzt ist es Zeit, sich erneut zu verbinden. Und so ruft und singt und wispert der Wald geduldig. Wächst und zerfällt, nur um aus den sich zersetzenden Pflanzen neues Leben zu schaffen. Atmet und dehnt sich aus, sammelt seine Kraft in süssen Früchten und herzhaften Pilzen und Nüssen. Der harmonische Kreislauf der Natur liess sich niemals aus dem Kern des Menschen heraussezieren. Du wirst zurückkehren, schreibt der Wind zwischen die Baumkronen. Ich warte hier auf dich.