Nach unseren Erfahrungen dort tatsächlich nicht mal sooo wahnsinnig schön wie sich herausstellen sollte. Aber ganz von vorn:

Am 24.10.2021 nehmen wir den Bus von San Jose in Richtung Panama City.

Trotz Ticket bis nach Panama City steigen wir bereits in David aus, eine kleinere Stadt kurz nach der Grenze. Dort angekommen steigen wir direkt in unseren Anschlussbus nach Boquete. Hier nisten wir uns im Blasina Beer Hostel ein. Ein wirklich süßes Hostel mit einem einzigen großen Dorm, aber ausreichend Bädern und einer doch ganz gut ausgestatteten Küche und free Haferflocken!

Unser großes Vorhaben und Grund für unsere Reise nach Boquete ist die Besteigung des nicht mehr aktiven Vulkans Barú. Mit 3475m ist er der höchste Berg Panamas und man kann von hier sowohl die Karibik als auch den Pazifik sehen.

Der Gipfel in der Mitte, mit den Antennen drauf, DAS ist der Barú - Boquete, Panama

Es gibt nur eine Hand voll Gipfel von denen das überhaupt möglich ist und dann braucht man immer noch eine Menge Glück mit dem Wetter!

Den letzten Aspekt kann man sowohl über die Jahreszeit in der man den Aufstieg wagt, als auch über die Uhrzeit etwas beeinflussen: In der Trockenzeit von Ende November bis in den Februar gibt es weniger Wolken und man kann den Aufstieg tagsüber riskieren. In der Regenzeit hingegen regnet es Nachmittags fast immer in Strömen, sodass man schon früh morgens zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein sollte um das beste Wetter abzugreifen.

Wir sind hier im Oktober und die Regenzeit ist noch voll im Gange, also wählen wir die zweite Option.

Wir starten um 0:00 Uhr. Sacken mit unserem Taxifahrer vom Hostel noch unsere drei Freunde ein, die wir in Costa Rica kennengelernt haben und mit denen wir die ganze Zeit in Panama verbringen, und sind pünktlich 0:30 Uhr am Startpunkt vom Trail. Da es sich um einen Nationalpark handelt, der erst 5:00 Uhr öffnet, ist der Aufstieg in der Nacht illegal, wird aber irgendwie geduldet. Die ersten 10 Minuten heißt es deshalb: Lampen aus, keine Geräusche machen, unter der Schranke durchschleichen und los laufen.

Bis 50 m unter den Gipfel läuft man eine Schotterstraße hoch. Aber Schotterstraße ist nicht gleich Schotterstraße, es ist sehr steil, der Schotter sehr grob und immer wieder ist die Straße vom vielen Regen ausgespült und unwegsam.


Anne auf dem Heimweg vom Barú - Boquete, Panama

Für die Leute denen der Aufstieg zu anstrengend ist gibt es ein 4x4 Offroad- Taxi. Für schlappe $120 USD pro Person kann man von einem Jeep/ Geländewagen zum Gipfel gefahren werden, oben Frühstücken und den Sonnenaufgang auf diese Weise genießen.

Solche Autos fahren jeden Tag auf den höchsten Berg Panamas- Boquete, Panama

Aber das ist nichts für uns, wir wollen das Abenteuer! Also laufen wir und laufen wir und laufen wir. 6:00 Uhr morgens kommen wir auf dem Gipfel an, genau richtig für den Sonnenaufgang. Wir haben ca. 1700 Höhenmeter und 15km Wegstrecke hinter uns. Das Blut rauscht in meinen Ohren bei jedem Schritt und jedem Atemzug und ich habe Kopfschmerzen wie noch nie zuvor. 4 Wochen auf 0 hm am Strand und mit wenig Bewegung um die Rippe zu schonen und dann so ein Ding. Wir machen oben ein paar Fotos, trinken heißen Tee, und frieren bei 6°C und Wind.
Anne am Gipfel, kalt und auf den Sonnenaufgang wartend - Boquete, Panama

6:45 Uhr machen wir uns an den Abstieg. Später kommt die Sonne raus und es wird endlich wieder warm. Gegen 12:00 Mittags sind wir zurück im Hostel. Völlig fertig fallen wir in unsere Betten. Abends gibt es Pizza und trotz des ausgedehnten Mittagsschlafes können wir direkt einschlafen.

Endlich ist er da, der Sonnenaufgang - Boquete, Panama

Am nächsten Tag steigen wir in unser Shuttle nach Bocas del Torro. Eine Inselgruppe in der Karibik von der alle schwärmen, die man unterwegs trifft. Wir freuen uns auf Strand und Palmen und die Erwartungen sind hoch.

Dort angekommen stellen wir fest..ja es ist echt schön, aber irgendwie auch sehr teuer, die Leute sind weniger freundlich und wir hatten das Gefühl für die Menschen dort nicht mehr als ein wandelnder Geldbeutel zu sein. Unser Hostel ist toll, mit Pool und allem, nur die Küche ist wenig überzeugend..aber wir machen das Beste draus!

Unser Hostel hatte einen eigenen Strand - Skullys House (Bocas del Torro), Panama

Das gedachte Highlight für uns fünf bildet eine Tour auf einem Boot durch die restlichen Inseln die zu Bocas del Torro gehören. Es ist echt eine schöne Gegend, aber wir hatten keinen Guide. Der Bootsführer kann kein Englisch und selbst auf Spanisch erzählt er nur ganz wenig und ganz knapp. Wir sind an dem Tag also für jeweils $20 USD viel Boot gefahren, eine Stunde über eine Insel spaziert und 30 min geschnorchelt...am Ende doch eher weniger überzeugend.

Der nächste Tag ist viel besser. Anne und Ich leihen uns Nachmittags E-Bikes aus und erkunden damit die Hauptinsel. Wir besuchen das “Plasitc Bottle Village” und fahren anschließend an einen wunderbar einsamen Strand zum baden.

E-bikes, mit dicken Reifen, perfekt für den Strand - Bocas del Torro, Panama

Ja, das sind alles Plastikflaschen! - Bocas del Torro, Panama

Eigentlich wollten wir mehr Zeit in Bocas verbringen entscheiden uns dann aber doch zu fünft dafür den Aufenthalt zu verkürzen und stattdessen noch mehr vom Land zu erkunden. Unsere nächste Station: El Valle de Anton. Diese Stadt ist in einem Krater gelegen, ringsum von Bergen umgeben und echt schön! Die Auswahl an bezahlbaren Unterkünften aber leider eher klein. Das Hostel für das wir uns entschieden haben ist.. naja nicht ganz furchtbar, das Internet ist echt gut, aber das wars leider auch schon was man darüber Gutes sagen kann...Am ersten Tag fängt es nach dem Einkaufen an zu regnen, wir rennen nach Hause und mich legt es richtig hin - genau vor dem Hostel. Die Schürfwunde ist echt unangenehm, schließt sich in der ersten Nacht nicht und ist . Die nässt ziemlich derb. Die Wanderungen die wir geplant hatten muss Anne also allein machen. Nervig..ich bekomme also vom Krater und der ganzen Umgebung garnicht soviel zu sehen, ich hoffe Ihr konntet Annes Wanderungen auf Instagram verfolgen.

El Valle de Anton, auf Instagram gibts ein Highlight vom Gipfel dieses Berges! - El Valle, Panama

Was am Hostel jedoch auch wieder gut war: Es hat ein eigenes Shuttle nach Panama City für die Gäste, was nur $2 USD teurer ist als die Busverbindung, die aber nicht durchgehend ist. Also ab ins Shuttle nach Panama City in ein Bed& Breakfast dieses mal. Breakfast gab es dort dann zwar garnicht, aber die Unterkunft war trotzdem mal wieder wirklich gut. Wir haben ein Zimmer für uns und eine Klimaanlage, es gibt eine gute Küche und in erlaufbarer Nähe ist ein wirklich großer Supermarkt. Ich kann immer noch nicht wieder richtig laufen, aber es wird schnell besser. 5 Tage verbringen wir in der Stadt.

Blick aus der Altstadt auf das "neue" Panama City - Panama City, Panama

Panama City ist eine Stadt der Gegensätze. Es gibt Menschen, die neben Boutiquen für Reiche, auf der Straße schlafen müssen. Es gibt modernste Wolkenkratzer neben der wunderschönen Altstadt Casco Viejo und neben einem der imposantesten Wasserbauwerke der Erde gibt es dennoch keine Flächendeckende Versorgung mit gutem Trinkwasser und Abwasser für alle Einwohner der Stadt. Panama City hat nur eine knappe halbe Millionen Einwohner und ist flächentechnisch kleiner als Leipzig! Sowohl die Altstadt als auch das Wolkenkratzer-viertel kann man gut zu Fuß erkunden, ansonsten kommt man mit den zwei U-Bahn Linien an alle wichtigen Orte die man als Touri besuchen sollte. Die Stadt ist definitiv einen Besuch wert, und wir sind sehr froh mal wieder etwas Zivilisation genossen zu haben, nachdem wir in den letzten Wochen viel Zeit in kleinen Dörfern verbrachten. Den Panama Kanal konnte ich leider, aufgrund meiner Verletzung nicht besuchen. Ich bin erst am vorletzten Tag wieder so fit, das ich gut laufen kann, aber wie soll es auch anders sein: an diesem Tag regnet es die ganze Zeit.

Die Stadt ist für viele Flüge nach Mittel - und Südamerika ein Zwischenstop. Wenn Ihr also 8- 12h Zeit habt, und nicht wisst was Ihr machen sollt: Ab in die U-Bahn, Casco Viejo ist wirklich einen Ausflug wert!
Wenn Ihr den Kanal und die riesigen Schiffe sehen wollt müsst Ihr etwas planen: Die Schiffe kommen immer Vormittags gegen 9:00 Uhr und Nachmittags gegen 15:00 Uhr aus dem Kanal gefahren, zwischendrin sieht man nicht viel.Die Altstadt, Casco Viejo - Panama City, Panama

Nach Panama City ging es für uns auf direktem Weg zur Linto Bay Marina ca. 3,5h mit dem Bus entfernt. Von dort geht es im nächsten Post mit dem Boot nach Kolumbien!

Nicht unser Boot, aber schön ist es dennoch - Linton Bay Marina, Panama

Unsere persönliche Meinung über Panama fällt eher nüchtern aus. Es ist echt teuer, die Leute eher unfreundlich im Vergleich zu Costa Rica und die Landschaft ist schön aber auch vermüllt. Noch dazu kommt, das unsere kleine fünfer Gruppe etwas auseinander getrifted ist und wir alle irgendwie mal wieder unser eigenes Ding machen wollen und Abwechslung brauchen. Da kommt das Boot und das Abenteuer 5 Tage Segeln wie gerufen!

Viel Liebe, passt auf euch auf❤️

Hans und Anne